Neues Selbstbewusstsein – (in progress)

 

Ich will mich nicht beschweren. Eigentlich geht es mir gut. Alle sind gesund, wir haben unsere Traumwohnung gefunden, der Kleinste geht gerne in die Kita und ich habe einen Job mit dem ich nicht nur etwas dazu verdiene.

Aber ich bin unzufrieden. ich müsste was ändern aber es geht nicht mehr so einfach wie früher.

Ich bin nicht mehr nur für mich selbst verantwortlich. Ich habe eine teure Wohnung mit zu bezahlen und ich möchte nicht das mein Kind in irgendetwas zurück stecken muss. Meine finanzielle Unabhängigkeit ist mir sehr wichtig. Ich war immer fest davon überzeugt, dass ich mich schon irgendwie beruflich wieder berappeln  könnte, sollte etwas schief gehen. Davon bin ich heute nicht mehr überzeugt.

Ich bin auch weiterhin immer offen für alle beruflichen Angebote und führe in regelmäßigen Abständen Gespräche. Doch sehe ich sie mehr als Übung, um meine Überzeugung und Stärke wieder zu erlangen. Meine Post-Elternzeit Bewerbungsgespräche laufen eher alle nach dem gleichen Muster ab. Ich stelle mich vor und erzähle von meiner Erfahrung und meinen Stärken, die Firmen berichten dann Ihrerseits offen und werbend über Ihre freien Vakanzen und all die Möglichkeiten der Weiterentwicklung und Anreize die sie mir bieten könnten. Es geht weiter mit den Gehaltsvorstellungen – alles schön und gut – und zu den wöchentlichen Arbeitsstunden – BÄM. Gespräch nimmt abrupte Wendung. Auf meiner Position können Sie sich ein solches Stundenmodell nicht vorstellen. Ich werde gebeten noch einmal darüber nach zu denken ob ich mir nicht vorstellen könnte wieder Vollzeit zu arbeiten. Gespräch beendet.

Ich brauche darüber aber nicht nachzudenken. Ich möchte das nicht. Es ist auch nicht so, dass ich ein paar Stündchen pro Woche arbeite. Ich arbeite 32 Stunden die Woche. In der gleichen Position. Und es funktioniert. Es ist hart, aber nicht für meinen Arbeitgeber sondern für mich.

Jedes Gespräch läuft ähnlich ab und ich nutze jedes um mich weniger zu verteidigen. Weniger ich würde aber ich kann nicht, mehr ich möchte das einfach nicht.

Früher war eine 36 Stunden Woche Vollzeit heute sind 32 Stunden die Woche eine nicht vorstellbare Teilzeit. Diese Gespräche führe ich ganz nebenbei fast ausschließlich mit Frauen. Jungen Frauen. Kinderlosen Frauen. Und ich frage mich jedes mal ob sie daran zurück denken werden, wenn sie selbst einmal in diese Situation kommen.

Kann sich der Arbeitsmarkt wirklich leisten auf all diese qualifizierten und vor allem motivierten Frauen (oder auch Männer)  zu verzichten?

 

 

 

 

One thought on “Neues Selbstbewusstsein – (in progress)

  1. Oh man, ich kann dich gut verstehen. Ich kann mir (noch) nicht vorstellen vollzeit zu arbeiten. 75% finde ich noch immer sehr hart und der Kleine muss trotzdem 40 Std in die Kita. Ich komme auch immer wieder in die Zwickmühle dass gelegentlich Mehrarbeit auf mich wartet und ich dann gucken muss, wer meinen Sohn betreut.

    Bei mir geht es nicht mal ums „Karriere“ machen, denn mein Job als Lehrerin hat gar keine wirkliche Aufstiegsoption. In der freien Wirtschaftswelt ist es ja noch mal ne ganz andere Hausnummer. Wenn ich überlege, wie bei uns in der Schule schon reagiert wird, wenn man als Mutter öfter fehlt, dabei sind wir nicht mal ansatzweise in einem Konkurrenzverhältnis. Ich denke nur an meine Jahre in einem großen Verlag zurück und bemerke, dass es in meiner ganzen Redaktion nur eine Handvoll Mütter gab … Alles andere ungebundene junge Menschen oder kinderlose Frauen. Ein Paar Väter – da scheint es wohl doch Unterschiede zu geben … Traurig

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s